Aktuelles

Gründach – die natürliche Klimaanlage in der Stadt

Mehr Lebens- und Luftqualität und bunte Artenvielfalt: Gründächer können den Klimawandel zwar nicht aufhalten, sind aber eine natürliche Antwort auf die Überhitzung in der Stadt.

Gründächer machen den städtischen Raum zu einem lebenswerten und attraktiven Wohnort und tragen aktiv zur Klimaregulierung, Stabilisierung des Regenwasserhaushalts und zur Erhöhung der Biodiversität in der Stadt bei.

„Die Erhaltung und Schaffung von grüner Infrastruktur in der Stadt kann den negativen Entwicklungen des Klimawandels effizient entgegenwirken“, betont der Gartengestalter Christian Dornhackl. „Besonders Dachflächen haben hier ein großes Potenzial: als Erholungsraum für Menschen, Lebensraum für Vögel und Insekten, Regenwasserspeicher, Nutzfläche für Solarenergie und grüne Lunge, die kühlt, die Luftfeuchtigkeit erhöht und Schadstoffe aus der Luft filtert.“

Auswirkungen auf das Stadtklima

In den immer heißer werdenden Sommermonaten werden Städte oft zu „Backöfen“, bei denen die Oberflächen und Baumassen die Energie der Sonne speichern und so jede nächtliche Abkühlung verhindern.

Dachbegrünungen können hier auf natürliche Weise gegensteuern: Denn sie fungieren durch Substrate und Pflanzen wie eine grüne Klimaanlage und kühlen den Außenraum wirksam ab. Die Begrünung legt sich wie ein schattierender, kühlender Mantel über die Dachfläche und verhindert so die Aufheizung des Baukörpers. „Und noch ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch“, so Christian Dornhackl, „denn die Pflanzen filtern außerdem Staub aus der Luft, der nach dem Regen im Bodenaufbau gebunden wird, und tragen so zu einer Verbesserung der Luftqualität bei.“

Gründächer regulieren Klima auch in Innenräumen

Gründächer wirken zudem wie ein Hitzeschild für die Innenräume eines Gebäudes, weil die Pflanzen das Dach beschatten und die Verdunstung einen kühlenden Effekt hat. Die auf die Dachfläche treffende Strahlung dringt damit weniger stark ins Gebäude ein, der Wärmedurchfluss wird verringert. Im Vergleich zu Blech-, Bitumen- und Kiesdächern wirken Gründächer puffernd und sorgen für ein kühles Inneres. Im Winter hingegen wirkt die Pflanzendecke als Kälteschutz und dient als zusätzliche Isolierschicht auf der Dachfläche.

Nachhaltiges Regenwassermanagement

Die Anzahl von Starkregenereignissen und damit die Gefahr für städtische Hochwässer, die meist erhebliche Schäden mit sich bringen, haben sich durch den Klimawandel in den letzten Jahren gehäuft. Von betonierten und asphaltierten Flächen fließen Niederschläge rasch ab und landen im Kanalnetz: Sie gehen dem städtischen Wasserkreislauf damit aber verloren. Ganz anders stellt sich die Situation begrünter Dächer dar, erklärt Dornhackl: „Dachbegrünungen wirken wie ein Schwamm und speichern – je nach Aufbaudicke und verwendeten Materialien – zwischen 50 und 90 Prozent der Niederschläge.“

Formen der Dachbegrünung

Technologisch ist heute nahezu alles möglich − von extensiv begrünten Flächen mit wenig Pflegeaufwand bis hin zum Gartenparadies und Spielgarten auf dem Dach.

„Besonders wertvoll sind ‚Biodiversitätsdächer’“, erklärt der Experte, „das sind Dachbegrünungen mit besonders hoher Artenvielfalt, einem Blühangebot über das ganze Jahr und Strukturreichtum, der durch Totholz, Steine und integrierte Insektenhotels hergestellt wird.“

Aber auch extensive Dachbegrünungen können Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Insekten- und Schmetterlingsarten werden. Ein extensives Gründach, das allerdings nicht für die dauernde Benützung geeignet ist, kommt mit wenig Pflege aus, d.h. es ist keine zusätzliche Bewässerung oder Düngung und lediglich ein Kontrollgang pro Jahr zur Entfernung von unerwünschtem Wildwuchs erforderlich.

Die Bepflanzung erfolgt idealerweise mit niederwüchsigen Pflanzen, die optimal an den schwierigen Standort angepasst sind und Hitze, lange Trockenperioden, Wind und starken Frost gut ertragen können. Gewürzstauden, Zwiebelgewächse, Gräser, Kräuter und Bodendecker, wie z.B. Sedum, der bekannte Mauerpfeffer, bieten sich dafür besonders an.

Ganz anders eine Intensivbegrünung, die sich gut für die Benützung eignet und für die Baum- und Strauchpflanzungen, Gehölz und Staudenbegrünungen oder Rasenflächen in Frage kommen. Die Pflege ist mit einer normalen Gartenpflege gleichzusetzen.

„Natürlich können begrünte Dachgärten zerstörte Naturlandschaften nicht vollständig ersetzen“, sagt Christian Dornhackl. „Sie können aber Bausteine zur Biotopvernetzung werden. Mehr noch: Die Aussicht auf Natur und Grün wirkt sich überaus positiv auf die Psyche aus, denn Menschen fühlen sich in grüner Umgebung produktiver, leistungsstärker und gesünder. Gründächer haben damit unmittelbaren Einfluss auf die Lebensqualität der StadtbewohnerInnen.“

Teilen

Über den Autor

Ähnliche Beiträge